Pünktlich zu meinem Geburtstag bekam ich deutschen Besuch aus Chile. Alexandra und Sarah, die dort auch bis zu diesem Zeitpunkt in sozialen Einrichtungen gearbeitet haben, besuchten mich auf ihrer Südamerikareise hier in La Paz. Es war nett, wieder mit bekannten Gesichtern zu plaudern und sich über Erfahrungen bei der Arbeit oder über Reiseziele auszutauschen. Ich habe ihnen dann die Stadt gezeigt, wir waren gut essen und haben die Feria (Markt) in El Alto besucht.
Am letzen Januarwochenende machten David und ich uns zu einem relativ spontanen Trip nach Chile auf. Es ging an die Nordküste von Chile, in die schöne, saubere Stadt Arica. Das Klima dort kam uns sehr entgegen. Arica liegt in einer wüstenähnlichen Gegend und hat nur einen Regentag im Jahr. Und selbst dann regnet es nur für ca 10 Minuten. Außerdem ist es richtig schön warm dort - so um die 25°C :) Allerdings nur in den Monaten Januar, Februar und März ...
Die Busfahrt zu organisieren war zunächst gar nicht so einfach: Wir sahen nämlich, als wir um 5 Uhr morgens am Busterminal angekommen sind, keine einzige offene Verkaufsstelle von Tickets nach Chile. Erst kurz vor 6 wurden wir auf eine Stelle in dem hintersten Eck des Terminals aufmerksam und bekamen zum Glück noch Tickets für den 6 Uhr Bus nach Arica. Bei der Rückreise hatten wir fast das gleiche Problem - nur dass (fast) alle Tickets schon ausverkauft waren. Aber in Südamerika klappt es irgendwie immer und so haben wir dann noch zwei von den letzten Tickets bekommen. Aber nun wieder zu unserer Hinfahrt:
Die Busfahrt war die landschaftlich schönste Strecke, die wir hier bis jetzt gesehen haben. Die Fahrt führte unter anderem durch den „ Sajama– Nationalpark“ (Der Sajama ist der höchste Berg Boliviens und einer der höchsten Vulkane der Welt) und durch die wüstenähnliche Landschaft, in der Arica liegt. Nach der ca 8,5 Stunden langen Busfahrt, kamen wir dann etwas erschöpft an.
Bald darauf standen wir vor unserem Hostel, das für die nächsten zwei Nächte unser Zuhause werden sollte. Nach dem an der „Hellsbell“ (war so beschriftet) geklingelt wurde und wir dann von einem halbnackten, gut behaartem Schweizer mit einem freundlichem: „Heeeeelooooo“ und mit einem : „You have booking my friends :) ? begrüßt wurden, tauschten David und ich schon die ersten zweifelnde Blicke aus. Als es aber dann an der Wand im Innenhof alle möglichen Aussagen über das Hostel und über den Besitzer „Roberto“ mit freundlichen „Fuck“ - Variationen gab, sich David auf sein Bett setzte und dieses daraufhin krachte, war dachten wir: „Wo sind wir denn hier gelandet :D ?“
So schlimm, wie der erste Eindruck war, war es dann aber doch nicht … Zwar war das Hostel sehr laut und der Fußweg zum Strand etwas weit, etwa eine knappe halbe Stunde, aber wir bekamen Surfbrett und Bodyboard (ist so wie ein Surfbrett, nur das man eben nicht steht sondern liegt) kostenlos zur Verfügung gestellt. Außerdem gab es eine Hängmatte, eine Tischtennisplatte und ein großes Schachbrett, wo David und ich uns immer heiß umkämpfte Duelle geliefert haben ^^
Der Strand,das Meer der Wassersport waren richtig cool, aber wir haben keine Bilder gemacht, weil keiner von uns seine Kamera mit an den Strand nehmen wollte … Im Nachhinein bereuen wir es, da wir den Sonnenuntergang nicht fotografieren konnten. Das einzig nervige an Chile war die Währung: ein Euro waren ca 700 Pesos und wenn man schnell an der Straße oder bei einem Verkäufer umrechnen musste, kam man schon mal ins schwitzen ... Soviel zu Chile!
Diese und letzte Woche war hier auch der Carnaval (~ Fasnacht) , das hieß: Wasserbomben – und Schaumsprayschlachten auf der Straße. Das hab ich am letzten Wochenende gleich mal zu spüren bekommen, als ich ins Casa Esperanza zum arbeiten ging … Kaum bin ich durch die Pforte gegangen kam eine Wasserbombe von einem der oberen Fenster angeflogen und traf mich genau ins Gesicht ^^
Halb so wild dachte ich, ist ja Carnaval und Ellie und ich haben uns dann gegen Nachmittag noch eine Schlacht mit den Jungs geliefert, wobei die zum Glück mehr auf sie los sind :D
Der Eimer mit eiskaltem Wasser wurde mir zum Glück erspart.
An diesem Abend war dann auch das Carnavalsfest der Fundación, das ausgiebig in einem Festkeller gefeiert wurde ;) In der selben Nacht gingen fast alle Volontäre nach Oruro, der Carnavalshochburg Boliviens, weil wir uns dort das Geschehen ansehen wollten. Jedoch wurden wir etwas enttäuscht. Wir sahen uns 7 Stunden lang die Umzüge an die zwar ganz nett anzusehen waren, aber mit der Zeit langweilig wurden. Danach ging immer noch keine Party und wir fuhren durchnässt und müde gegen 20: 30 wieder zurück nach La Paz.
Zu allem Unglück saßen wir auch soweit oben auf der Tribüne, dass wir nicht so gut bei der Wasserbombenschlacht mitmachen konnten (Unsere gegen die gegenüberliegende Tribüne). Wir haben dann einfach auf die Hinterköpfe der Leute „unserer“ Tribüne Wasserbomben geworfen und uns über ihre Reaktion gefreut ^^
Das war’s mal soweit von mir, nächste Woche kommt Besuch aus Peru von meiner Exmitschülerin Ruth und ihrer Freundin, die dort ein freiwilliges soziales Jahr ableisten :)
Liebe Grüße aus Bolivien - hoffe mal, ihr habt ordentlich Fasnacht gefeiert ... Prost :D
Joni
Ps: Bald kommen die Fotos von Oruro ;)