Vielleicht kam das auf dem Blog nicht immer so rüber. Schließlich leiste ich ja meinen Zivildienst hier ab und der besteht nur in meiner freien Zeit aus Reisen ;)
Die Fundación Arco Iris, in der ich arbeite, ist ziemlich professionell aufgebaut und organisiert. Insgesamt umfasst sie zahlreiche Projekte mit verschiedenen Zielgruppen.
So gibt es ein Übergangsheim für Kinder und Jugendliche, das „Casa de Paso“. Auch für in Not geratene, schwangere Frauen (auch durch Vergewaltigung) ist ein Projekt vorhanden: Das „Casa Refugio“. Des Weiteren gibt es ein Jungenheim „Casa Esperanza“ und ein Mädchenheim „Ninas Obrajes hier in La Paz, die ebenfalls zur Fundación Arco Iris gehören.
Neben diesen Heimen gibt es auch etwas überschaubarere Projekte, wie zum Beispiel das Projekt „Trabajadores“, in dem David arbeitet. Dieses Projekt hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit Leuten, die auf der Straße arbeiten, z.B. Schuhputzer, Saftverkäuferinnen etc. konstant Geld zu sparen und sie in ihrer oft schwierigen Situation zu begleiten und zu unterstützen. Auch gibt es ein Projekt, das mit den Menschen, die auf der Straße leben, arbeitet.
Das wohl größte Projekt der Fundación Arco Iris ist jedoch das Krankenhaus, das unter anderem Straßenkindern und den Heimkindern kostenlose Behandlung anbietet.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es dort sehr gut Ärzte gibt und dass das Krankenhaus auf europäischem Standart ist.
Alle Projekte findet ihr auf der Homepage von der Fundación:
http://fundacion-arco-iris.org/de-de/projekte/index.html (ist aber etwas veraltet ^^)
Ich arbeite eben in diesem dem Jungenheim "Casa Esperanza" normalerweise von Montag - Freitag acht Stunden (manchmal auch etwas mehr) pro Tag. Zurzeit haben wir knapp 50 Jungs von 6 – 17 Jahren, die alle aus schwierigen und meistens ärmlichen Verhältnissen kommen. Eigentlich wurden alle daheim von ihren Eltern und/oder Stiefeltern verprügelt. Viele Jungs haben auch Narben, die von dem Missbrauch zeugen. Auch haben wir einige Weisenkinder, die weder Vater noch Mutter haben, oder eben nur einen Elternteil hatten, der dann verstorben ist. Von manchen Jungs kennt man nicht einmal die Eltern.
Manchmal sind auch einzelne extreme Fälle dabei. Sexueller Missbrauch, Verbrennungen am ganzen Körper …
Durch ihre Vergangenheit sind viele Jungs aggressiv, respektlos, einige sicher auch etwas verstört und mit manchen ist es verständlicherweise sehr schwierig zu arbeiten. Doch haben wir auch Jungs, die sich trotz ihrer Vergangenheit super entwickelt haben, gute Noten in der Schule haben, freundlich sind und dankbar dafür sind, was die Fundación für sie tut.
Das Heim zählt außerdem mit einer Psychologin, mit einer Hausaufgabenbetreuung und zwei Sozialarbeiterinnen.
Meine Arbeit besteht im Wesentlich daraus, die Jungs zum Arzt, Zahnarzt oder ins Krankenhaus zu bringen. Wenn sich einer der Heimkinder eine nicht so schlimme Verletzung ö.Ä. zuzieht, verbinde und säubere ich die Wunden auch.
Ellie und ich haben im Dezember dafür einen ausführlichen Erste-Hilfe Kurs belegt.
Neben dem Bereich Gesundheit, in dem ich mit Krankenschwester Susanna zusammenarbeite, ist man auch immer der Volontär für alle Fälle, wenn mal die Lehrer in der Hausaufgabenhilfe nicht da sind, wenn ein Bericht an ein Jugendamt gebracht werden muss, und so weiter und so fort. Auch helfe ich ab und zu gerne in der Küche - mit Barbara und Beatrix, den beiden Köchinnen, ist’ s eigentlich immer witzig ^^
Dazu kommen auch selbstverständliche Tätigkiten, wie einfach mit den Jungs quatschen, fragen wie’s in der Schule war, spielen, fernsehen und vor allem: Schlägereien trennen und immer und immer wieder zurechtweisen und erklären, warum man dies und jenes nicht macht.
Sonst spiele ich mit den Jungs (meistens wenn ich am Wochenende arbeite) viel Fußball und ab und zu Schach.
Die Arbeit, obwohl sie oft Nerven kostet, macht mir sehr viel Spaß und ich bin mir zu 100% sicher, das richtige Projekt für mich getroffen zu haben.
Einen Monat muss ich jetzt noch arbeiten und manchmal kommt dann schon etwas Wehmut auf. Vor allem wenn manche Jungs und das Personal sagen, dass man nicht gehen soll und dass sie einen vermissen werden.
Am 13. Mai haben wir mit dem Heim einen Ausflug an heiße Quellen unternommen.
Die Jungs konnten sich dort austoben, obwohl viele nicht richtig schwimmen können, und so hatten wir alle mal etwas Abwechslung in unserem Alltag.
Morgen, am Dienstag den 1. Juni, verreisen wir wieder:
Es geht in den Dschungel Boliviens. Hoffentlich wird’s so cool, wie ich es mir vorstelle ;)
In La Paz ist es wieder schweinekalt. Da freue ich mich umso mehr, wenn’s mal wieder richtig heiß wird.
Saludos
Joni