Sonntag, 30. Mai 2010

Casa Esperanza

Heute geht es mal nicht ums Reisen. Besser spät, als nie wollte ich euch mal meine Arbeit etwas genauer vorstellen. Denn die meiste Zeit bin ich ja nicht auf Reisen, sondern arbeite im Jungenheim.
Vielleicht kam das auf dem Blog nicht immer so rüber. Schließlich leiste ich ja meinen Zivildienst hier ab und der besteht nur in meiner freien Zeit aus Reisen ;)



Die Fundación Arco Iris, in der ich arbeite, ist ziemlich professionell aufgebaut und organisiert. Insgesamt umfasst sie zahlreiche Projekte mit verschiedenen Zielgruppen.
So gibt es ein Übergangsheim für Kinder und Jugendliche, das „Casa de Paso“. Auch für in Not geratene, schwangere Frauen (auch durch Vergewaltigung) ist ein Projekt vorhanden: Das „Casa Refugio“. Des Weiteren gibt es ein Jungenheim „Casa Esperanza“ und ein Mädchenheim „Ninas Obrajes hier in La Paz, die ebenfalls zur Fundación Arco Iris gehören.
Neben diesen Heimen gibt es auch etwas überschaubarere Projekte, wie zum Beispiel das Projekt „Trabajadores“, in dem David arbeitet. Dieses Projekt hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit Leuten, die auf der Straße arbeiten, z.B. Schuhputzer, Saftverkäuferinnen etc. konstant Geld zu sparen und sie in ihrer oft schwierigen Situation zu begleiten und zu unterstützen. Auch gibt es ein Projekt, das mit den Menschen, die auf der Straße leben, arbeitet.
Das wohl größte Projekt der Fundación Arco Iris ist jedoch das Krankenhaus, das unter anderem Straßenkindern und den Heimkindern kostenlose Behandlung anbietet.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es dort sehr gut Ärzte gibt und dass das Krankenhaus auf europäischem Standart ist.

Alle Projekte findet ihr auf der Homepage von der Fundación:
http://fundacion-arco-iris.org/de-de/projekte/index.html (ist aber etwas veraltet ^^)

Ich arbeite eben in diesem dem Jungenheim "Casa Esperanza" normalerweise von Montag - Freitag acht Stunden
(manchmal auch etwas mehr) pro Tag. Zurzeit haben wir knapp 50 Jungs von 6 – 17 Jahren, die alle aus schwierigen und meistens ärmlichen Verhältnissen kommen. Eigentlich wurden alle daheim von ihren Eltern und/oder Stiefeltern verprügelt. Viele Jungs haben auch Narben, die von dem Missbrauch zeugen. Auch haben wir einige Weisenkinder, die weder Vater noch Mutter haben, oder eben nur einen Elternteil hatten, der dann verstorben ist. Von manchen Jungs kennt man nicht einmal die Eltern.
Manchmal sind auch einzelne extreme Fälle dabei. Sexueller Missbrauch, Verbrennungen am ganzen Körper …



Durch ihre Vergangenheit sind viele Jungs aggressiv, respektlos, einige sicher auch etwas verstört und mit manchen ist es verständlicherweise sehr schwierig zu arbeiten. Doch haben wir auch Jungs, die sich trotz ihrer Vergangenheit super entwickelt haben, gute Noten in der Schule haben, freundlich sind und dankbar dafür sind, was die Fundación für sie tut.
Das Heim zählt außerdem mit einer Psychologin, mit einer Hausaufgabenbetreuung und zwei Sozialarbeiterinnen.



Meine Arbeit besteht im Wesentlich daraus, die Jungs zum Arzt, Zahnarzt oder ins Krankenhaus zu bringen. Wenn sich einer der Heimkinder eine nicht so schlimme Verletzung ö.Ä. zuzieht, verbinde und säubere ich die Wunden auch.
Ellie und ich haben im Dezember dafür einen ausführlichen Erste-Hilfe Kurs belegt.

Neben dem Bereich Gesundheit, in dem ich mit Krankenschwester Susanna zusammenarbeite, ist man auch immer der Volontär für alle Fälle, wenn mal die Lehrer in der Hausaufgabenhilfe nicht da sind, wenn ein Bericht an ein Jugendamt gebracht werden muss, und so weiter und so fort. Auch helfe ich ab und zu gerne in der Küche - mit Barbara und Beatrix, den beiden Köchinnen, ist’ s eigentlich immer witzig ^^



Dazu kommen auch selbstverständliche Tätigkiten, wie einfach mit den Jungs quatschen, fragen wie’s in der Schule war, spielen, fernsehen und vor allem: Schlägereien trennen und immer und immer wieder zurechtweisen und erklären, warum man dies und jenes nicht macht.
Sonst spiele ich mit den Jungs (meistens wenn ich am Wochenende arbeite) viel Fußball und ab und zu Schach.

Die Arbeit, obwohl sie oft Nerven kostet, macht mir sehr viel Spaß und ich bin mir zu 100% sicher, das richtige Projekt für mich getroffen zu haben.
Einen Monat muss ich jetzt noch arbeiten und manchmal kommt dann schon etwas Wehmut auf. Vor allem wenn manche Jungs und das Personal sagen, dass man nicht gehen soll und dass sie einen vermissen werden.



Am 13. Mai haben wir mit dem Heim einen Ausflug an heiße Quellen unternommen.
Die Jungs konnten sich dort austoben, obwohl viele nicht richtig schwimmen können, und so hatten wir alle mal etwas Abwechslung in unserem Alltag.



Morgen, am Dienstag den 1. Juni, verreisen wir wieder:
Es geht in den Dschungel Boliviens. Hoffentlich wird’s so cool, wie ich es mir vorstelle ;)
In La Paz ist es wieder schweinekalt. Da freue ich mich umso mehr, wenn’s mal wieder richtig heiß wird.

Saludos

Joni

Montag, 17. Mai 2010

Paragleiten

Am Samstag waren wir endlich Paragleiten. Morgens um 8:00 trafen wir uns mit den Piloten und dem Busfahrer und los ging’s aus La Paz hinaus, Richtung Berge um von dort aus zu starten. Ich war nach ca. 2 Stunden Busfahrt der erste, der ran durfte.



Total motiviert rannte ich mit meinem Piloten an, doch irgendwie klappte es nicht und so stiegen wir nicht in die Luft, sondern stolperten bzw. segelten die Böschung hinunter und zum Leidwesen von meinen Beinen voll in einen Strauch voller Stacheln rein, bevor wir dann endlich abhoben. Mein Pilot meinte nur: „Komm, genieß deinen Flug!“



Das war aber nicht ganz so leicht, da ziemlich viele Stacheln in meinen Beinen steckten.

Ein kleines Stück von dem Strauch steckte auch unter der Haut in meinem Knie.

Trotzdem war der Flug total genial und unvergesslich und machte trotz allem sehr viel Spaß. Leider war es schon nach guten zehn Minuten vorbei …



Von dem ganzen Flug (natürlich mit dem Anflug) gibt es auch ein Video. Aber es ist leider viel zu groß, um es hochzuladen.

Mein Knie fühlt sich nun auch leicht geprellt an - mal gucken, wie lange ich noch durch La Paz humpeln muss ^^


Bis dann,


Joni

Samstag, 8. Mai 2010

Potosi & Sucre, Sorata

Den 22. - 25. April verbrachten wir als Gruppenausflug in Potosi (die berühmte Minenstadt Boliviens) und in der Hauptstadt Boliviens: Sucre.

Mittwoch Abend ging es mit dem Bus 11 Stunden in den Südwesten Boliviens.
Am nächsten Morgen kamen wir dann in Potosi an.
Dort bezogen wir dann unser Hostel und machten uns gleich in die Minen Potosis auf. Auf dem Weg dorthin kauften wir Mitbringsel für die Minenarbeiter. Z.B. 95 prozentigen Alkohol, Zigarreten, Cocablätter … Dazu konnte man noch Dynamitstangen kaufen, die bei den Minenarbeitern wegen dem vergleichsweise hohen Preis (ca 1, 50 € - das Monatseinkommen liegt bei etwa 60 € ) gerne gesehen sind.



Die Minen waren sehr beeindruckend und die Gruselgeschichten von unserem Guide haben auch für eine nette Stimmung gesorgt ^^
In den Minen gibt es immer einige Teufelsstatuen, die aus Angst vor dem Tod und dem Teufel angebetet werden. Dafür gibt es bestimmte Rituale, bei denen unter anderem Cocablätter auf die Statue gestreut werden und Alkohol darüber gegossen wird.
Am Ende der Führung zündeten wir noch (mit sicherem Abstand) eine Dynamitstange an :D



Die “Casa de la Moneda” (Museum über bolivianische Münzpragung) war dann aber ein Reinfall. Alle waren etwas müde und eben nicht so sehr motiviert. Zum Glück erwischten wir aber genau die richige Führerin. Ihre Antrittsrede. “Alle sind ruhig wenn ich rede! Es wird nicht geplaudert während der Führung” wurde nur müde belächelt und nach kurzer Zeit mit begnügte sie sich nur noch damit, mit säuerlichem Gesichtsausdruck unsere (manchmal nicht ganz ernst gemeinten) Fragen zu beantworten.



Am nächsten Tag gingen die meisten Volontäre an eine Lagune. Doch da ich ziemlich erkältet war, blieben Marcia, Ani, David, Chris und ich in Potosi, gingen zu einem Aussichtsturm, wo wir die Miss Potosiauswahl trafen, und schauten noch etwas die Stadt an. Am Abend ging es weiter nach Sucre, was ca drei Stunden dauerte.

Dort angekommen gingen wir essen und danach relativ schnell schlafen.
Am nächsten Tag ging es etwas in die Stadt, die wirklich eine der schönsten Boliviens ist und gingen wieder in ein Museum, bei dem wir dieses mal überhaupt nicht enttäuscht wurden. Eine supernette Führerin, die Ahnung hatte, und uns die Geschichte Boliviens mit Unabhängigkeitskriegen, wichtigen Versammlungen, Schlachten und Beschlüssen näher brachte, machte das ganze echt interessant.





Nachdem wir von einem Aussichtspunkt, wo es ein Restaurant gab, den Blick und das warme Wetter genossen haben, mussten wir auch schon wieder zurück nach Hause, nach La Paz.

Letztes Wochenende gingen David, Tim , Alex ( Davids Besuch) und ich in die “Hauptstadt des Trekkens” , nach Sorata.
Sorata liegt etwa 4 Stunden nordwestlich von La Paz, doch wir brauchten durch die Straßenblockaden in El Alto etwas länger.

Irgendwie war die Hügellandschaft total anders, als z.B. die Hügellandschaft um Coroico. Außerdem waren die Bäume in Sorata nicht so dschungelmäßig, sondern eher nadelbaummäßig, was ich hier in Bolivien noch nicht gesehen habe.



Am Sonntag unternahmen wir eine Wandertour, die vom Anstrengungsgrad schon sehr nahe an die Wallfahrt von Copacabana herankam.





Um 5 Uhr morgens ging es Richtung Berge, Gletscher- und grüner Lagune los.
Insgesamt waren wir ca 14 Stunden unterwegs, was sehr anstrengend und manchmal etwas gefährlich war, aber uns ,wie eben so oft hier, die Landschaft doppelt entschädigt hat.







Montagvormittag besichtigten wir noch die “Gruta San Pedro” - eine Höhle, die einen Unterwassersee hat. In der Höhle war es richtig heiß, aber es war schon mal cool, einen See (entstand durch das Abschmelzen des Gletschers) in einer Höhle zu sehen. Auf dem See sind wir dann noch mit einem Tretboot rumgefahren und erkundeten mit Handy- und Kameralicht etwas den unbeleuchteten Teil der Gruta.
Am Nachmittag ging es dann wieder auf die Heimreise…



Machts alle gut! Am Samstag gehe ich übrigens Paragleiten :)

Joni

Mittwoch, 21. April 2010

Bungeejumping, Besuch n°3 - Salzwüste, Deathroad

Hey, wieder mal Zeit um etwas über die vergangenen Wochen zu berichten:

Am letzten Märzwochenende haben Ani, Marcia, Anna, Chris, Jonathan und ich etwas unternommen, auf das ich mich besonders gefreut habe: Bungeejumping

Ich organisierte die ganz Sache und so ging es an dem besagten Wochenende Richtung Yungas und wir sprangen nach etwas Warterei 20 Meter in die Tiefe.

Der Sprung ging relativ schnell vorbei aber das Gefühl wenn man auf der Brücke steht, in die Tiefe sieht und dann einfach kopfüber springt ist unbeschreiblich :)



Man sieht auch das Seil nicht, dass an seinen Füßen festgebunden ist – das macht das ganze noch mal extremer ^^

Man denkt fast, dass man gleich in die Bäume fliegt, aber dann zieht einen das Seil wieder hoch und wir hatten fast alle das Gefühl der Brücke gefährlich nahe gekommen zu sein, als das Seil uns wieder hochfederte.

Als der Sprung dann aber fertig war und man kopfüber an dem Seil baumelte, bekam man schon ein mulmiges Gefühl und beeilte sich, wieder auf die Brücke zu kommen.

Die Jungs und Mädels von unserer Agentur, zogen einen wieder hinauf.



Am Donnerstag darauf kam dann das langersehnte Wiedersehen mit meiner Mutter, die mich bis zum 10. April besuchte.

Ein Höhepunkt des Besuchs war der dreitägige Ausflug in die Salzwüste „Salar de Uyuni“.

Landschaftlich habe ich hier eigentlich noch nichts schöneres und vergleichbares gesehen.

Wir fuhren in einer Sechsergruppe und Fahrer „Juan“ mit einem Jeep durch viele Sehenswürdigkeiten in der Umgebung dort. Unsere Gruppe bestand aus Mama und mir, einem Ex - Soldaten aus England mit seiner kanadischen Freundin und aus einem Belgier, der in Kolumbien ein Semester studiert und seiner Mutter, die ihn ebenfalls in Südamerika besuchte.

Am ersten Tag besuchten wir die Salzwüste an sich, schauten uns die Salzgewinnung an und besichtigten die „Isla de Pescados“ – eine Insel in der Salzwüste, auf der riesige Kakteen wachsen. Abends schliefen wir in einem Salzhotel:

Das hieß, dass alles aus Salz war. Die Betten, die Tische, die Stühle uvm …

Leider gibt es von diesem Tag noch keine Fotos, denn unsere Kamera wurde am Abend geklaut, aber der Belgier wird sie mir (hoffentlich) bald zukommen lassen.



Der zweite Tag begann mit einem coolen Sonnenaufgang um 6: 15 und nahm dann seinen Lauf.



Wir sahen auch farbige Lagunen, wo es auch Flamingos gab. Die kannte man davor ja nur aus dem Zoo ^^




Außerdem fuhren wir stundenlang durch einsame Wüsten- und Felslandschaften. Es gab natürlich keinen Weg, aber dadurch sah die einsame Landschaft bestimmt noch mal viel eindrucksvoller aus …




Um 5:00 startete dann der dritte Tag und es war schweinekalt in der Gegend, in der wir übernachtet haben. In zwei Pullis eingewickelt, ging es dann Richtung Geysire.

Das sind die Öffnungen in einer Steinlandschaft, aus denen Gas ausgetreten ist, das nach faulen Eiern gerochen hat. Trotzdem sahen sie toll aus.


Danach ging es weiter an die heiße Quelle. Und wir wurden positiv überrascht:

Ich hatte schon die Quellen von Cochabamba im Kopf, die ja wirklich nicht der „Bringer“ waren, aber viel besser ging es dann wirklich nicht:



Die Quelle hatte eine Temperatur von ca 35° C und sauberes Wasser. Mit unserem durchgefrorenen Körper gab es nichts schöneres, als sich schnell die Badehose anzuziehen und eine halbe Stunde in der Quelle zu plantschen, ehe es Frühstück gab.


Danach fuhren wir nochmals an Felslandschaften vorbei, ehe wir an die Grenze zu Chile kamen und von dort aus direkt nach Uyuni ( 8 Stunden) fuhren.



Die Tage bis zum Abschied am 10. April nutzen meine Mutter und ich zum einkaufen, um gut Essen gehen und ein zweitägigen Abstecher auf die Isla del Sol war auch noch drin. Außerdem noch für einen Museumsbesuch – da hatte ich eine schwache Stunde ^^



Natürlich habe ich ihr dann auch noch meine Arbeit gezeigt, wo man zum glück nur Gutes über mich erzählte :)

Soviel zu meinem Besuch.

Am 12. April gab es dann Part 2 / 3 unserer Extremsportabenteuer in Bolivien ( Part 1/ 3 war Bungeejumping und Part 3/3 wird Paragleiten) : David, sein Besuch und ich fuhren die gefährlichste Straße der Welt „Deathroad“ mit dem Mountainbike hinunter.



Natürlich hatten wir professionelle Guides dabei, die uns vor den gefährlichsten Stellen warten und immer ein Auge auf uns hatten.



Natürlich hatten wir professionelle Guides dabei, die uns vor den gefährlichsten Stellen warten und immer ein Auge auf uns hatten.

Wir sind alle, von 4800 Höhenmeter bis auf 1744 Höhenmeter, gut in Coroico angekommen und konnten uns im Hotel „Esmeralda“ am Buffet satt essen und in dem vorhandenen Pool bei baden.


Wer etwas mehr über die Todesstraße wissen will, kann auf Wikipedia einen überschaulichen
und guten Artikel finden: Link
Wer schöne Bilder von der Todesstraße sehen will, kann auf google nachschauen: Link




Darüber berichte ich dann in meinem nächsten Blogeintrag ;)

Macht's alle gut!

Euer Joni